Die Kunst des Ausgleichs.
Zu Mozarts Violinsonaten.
Wir
legen ein Andante cantabile, Mittelsatz der dreisätzigen Violinsonate D-dur KV
Der vom Grundton ausgehende, ansteigende Bogenarm erreicht die Quinte nicht in einem Zug: Er hält auf der Quarte inne und findet zurück zur Terz, um über einen zweiten, zur Sexte springenden Ansatz den Höhepunkt zu festigen. Die Cadenz zum Grundton zurück erfolgt in zwei Phasen: Die erste im fallenden Stufengang aus der Quinte zu deren Unterquarte (a), die zweite, von einem arpeggierten Akkord abgetrennte, durchläuft den Oktavrahmen bis zum Grundton.
Die Weise, das Thema des Satzes, ist von den Instrumenten Violine und Klavier adaptierter Gesang. Ein in Mittellage der Stimme -der Intensivzone- wirkender Zentralton -der Ténor- zieht, einem Magneten gleich, die Töne in seinen Bann. Hier ist es der Quintton "d". Der Tonsetzer charakterisiert die Climax mit einer beibehaltenen rhythmischen Figur T. 3-5. Seitenthema und Schlußgruppe bleiben cantilenenbestimmt. Sie sind Cadenzvarianten.
Das Wesen der Cantilene beruht auf ihrer relativen Unabhängigkeit: Die Harmonik hat hier nur eine dienende Funktion, und auch in einen metrisch-periodischen Rahmen läßt sich diese Cantilene nicht zwingen. Sie begrenzt sich auf sieben Takte, das Seitenthema auf fünf. Erst im Verlauf -z.B. zu Beginn der Durchführung- treten metrisch-periodische Gegensätze hervor:
Hierzu kommen noch improvisatorisch-concertante Elemente, die das Ganze harmonisch abrunden.
Im
statisch-dynamischen Spannungsverhältnis stehen auch die Zeitproportionen:
Als Grundmaß erweist sich die Siebentaktigkeit der Cantilene. Die Exposition hat
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Dem in der Architektur verwandten
Goldenen Schnitt. Er läßt sich in Zeitwerte (hier Takte) mit dem
Zahlensystem des mittelalterlichen Mathematikers Fibonacci umsetzen:
Der Tonsetzer ist bei der Planung der Komposition wie ihrer Ausarbeitung auf den Ausgleich der Spannungsverhältnisse bedacht. Er muß ihn bei jeder wie immer gearteten Anlage neu austarieren. Unsere Lösung bezieht sich nur auf diesen Satz.
Christoph Hohlfeld